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Warum es wichtiger ist, dein Kind zu bestärken…

von | 31.07.19 | Mama-Wissen

… anstatt es nur zu beschützen

    Ich verstehe deine Intention dahinter. Ich verstehe, warum du es deinem Kind leicht machen möchtest. Warum du möchtest, dass es glücklich ist und sein Leben geniesst. Du willst es nicht traurig, leidend oder weinend sehen. Aus diesem Grund machst du dann vielleicht doch mal das ein oder andere für dein Kind, das nicht unbedingt nötig wären (und vielleicht sogar schädlich für dein Kind ist – dazu weiter unten mehr).

    Vielleicht hast du es schon einmal…

    • bei Freunden entschuldigt, weil es doch keine Lust mehr hatte, eine Verabredung einzuhalten, 
    • vor anderen Kindern auf dem Spielplatz beschützt,
    • in der Schule vor Lehrern oder anderen Kindern beschützt… 

    Kurz gesagt, du hast ihm Hindernisse aus dem Weg geräumt, Ausreden erfunden und es in Schutz genommen.

    Warum es besser für dein Kind ist, selbst Hindernisse zu überwinden

    Dein Kind lernt dadurch nicht, selbst mit diesen Hindernissen umzugehen. Du verhinderst es, mit deinem (durchaus gut gemeintem) Verhalten.

    Natürlich ist es wichtig, dass du als Vorbild für dein Kind fungierst (wie ich bereits hier geschrieben habe), aber das kannst du noch viel besser bei der Lösung deiner eigenen Herausforderungen sein. Dafür musst du deinem Kind nicht seine nehmen. 😉

    Denn dein Kind kann viel dabei gewinnen, wenn es  begleitet durch dich – sich selbst seinen Herausforderungen stellt:

    1. Dein Kind erlebt sich als selbstwirksam

    Dadurch, dass es selbst zu einer Lösung beträgt, erlebt dein Kind sich als selbstwirksam (warum das so wichtig ist, habe ich bereits hier geschrieben). Das ist eine sehr wichtige Fähigkeit, um sein Leben später  bewusst und aktiv nach den eigenen Wünschen und Werten zu gestalten und sich nicht als Opfer irgendwelcher Umstände zu sehen.

    2. Dein Kind lernt mit Herausforderungen umzugehen

    Es findet heraus, wie es an Hindernisse heran geht und welche Strategien es persönlich am besten zur Lösungsfindung einsetzen kann (lieber mit sich selbst Lösungen suchen, Gedankengänge aufschreiben, mit den Eltern darüber sprechen, mit Geschwistern sprechen, mit Freunden sprechen oder mit einem Haustier…). Durch diese Selbsterfahrung wird es sehr flexibel und resilient (psychisch widerstandsfähig). Eine wichtige Basis für seine Entwicklung zu einem (psychisch) gesunden und starken Erwachsenen.

    3. Dein Kind lernt sich selbst kennen

    Unbezahlbar ist diese Fähigkeit, in sich selbst hinein spüren zu können, zu merken, was macht das Aussen mit meinen Gefühlen in meinem Inneren, wie reagiert mein Körper und wie reagieren meine Gedanken.

    Dieses Reflektieren der eigenen Gefühle und Gedanken ist sehr wichtig, um eigene automatisch (also unbewusst) ablaufende Verhaltensmuster zu verstehen und diese verändern zu können. Besonders jüngere Kinder sollten gut bei diesem Prozess begleitet werden: durch ein wertfreies Spiegeln ihrer Gefühle. Wie sieht es bei dir aus? Kannst du das schon? 

    Auch Teenager, die in ihrer emotionalen und hormonellen Verwirrung gefangen scheinen, können von einem guten Spiegeln der Gefühle profitieren. Hier sind allerdings noch mehr Samthandschuhe gefragt, um zu vermeiden, dass sich der Jugendliche komplett verschliesst.

    4. Dein Kind spürt seine eigenen Grenzen

    Durch die eigene Auseinandersetzung mit seiner Herausforderung, findet dein Kind heraus, wie weit es alleine kommt und ob es einen Punkt gibt, an dem es lieber um Hilfe fragen möchte. Vielleicht hilft es ihm, wenn es dir (als aktiver Zuhörer! Nicht als reinquatschender “Ich-weiss-es-besser”-Lösungspräsentierer ) seine Gedanken mitteilen kann.

    5. Dein Kind spürt die Grenzen von Anderen

    Zusätzlich gibt es auch eine Chance für die empathische Entwicklung deines Kindes:

    • Wie reagieren andere, wenn sie unter Druck stehen?
    • Wie kann ich dann mit diesen Menschen umgehen?
    • Fällt es mir leicht oder schwierig?
    • Welche Möglichkeiten finde ich, um mit ihnen in Kontakt zu treten und sachlich respektvoll mit ihnen umzugehen?
    • Wann ist es zu viel und ich sollte der anderen Person und mir eine Pause gönnen?

    Dein Kind hat die Chance an seinen Herausforderungen zu wachsen, aber nur, wenn du es auch lässt!

    Anna Binic

    Welche Auswirkungen das Beschützen deines Kindes hat 

    Nachdem du die 5 Punkte oben gelesen hast, denkst du dir bestimmt:

    Wow genau das wünsche ich mir für mein Kind!

    (vielleicht wünschst du es dir auch für dich selbst, dann melde dich gerne bei mir! Denn natürlich musst du selbst diese Fähigkeiten auch haben, damit dein Kind diese auch erwerben kann.)

    Damit es dir noch leichter fällt, hier noch 5 Dinge, die du deinem Kind nimmst, wenn du bei allen Schwierigkeiten wie ein Bodyguard vor es springst:

    1. Dein Kind verlässt sich auf dich – aber vermutlich nicht auf sich

    Die daraus entstehende Abhängigkeit ist nicht gesund – weder für dich noch für dein Kind. Ihr lebt eine enge Abhängigkeitsbeziehung: dein Kind kommt bei allen Problemen zu dir und lernt mit der Zeit, was es tun muss, damit du seine Probleme für es löst. Gleichzeitig fühlst du dich wertvoll, weil du ihm helfen kannst und so das Gefühl hast, wichtig für dein Kind zu sein.

    Nur ist das eine trügerische Situation: je länger diese Konstellation so anhält und je älter dein Kind wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass es irgendwie unzufrieden mit deinen Lösungen sein wird. So entstehen gegenseitige Vorwürfe (ausgesprochen oder unausgesprochen) und viele unausgesprochenen Erwartungen, die zu grosser Frustration auf beiden Seiten führen.

    2. Dein Kind ist unsicher und traut es sich nicht zu, sich selbst zu helfen 

    Da es keine Erfahrung darin hat, selbst Herausforderungen zu bewältigen, fühlt es sich als Opfer von Anderen oder den Umständen. Es fühlt sich unsicher und hilflos, den anderen ausgeliefert. 

    Dadurch, dass es seine eigenen Ressourcen und Fähigkeiten nicht kennt, ist es nicht mutig und vertraut sich selbst nicht. Es traut sich möglicherweise weniger, neue Dinge auszuprobieren, bleibt lieber in der gewohnten Umgebung (zuhause) und hat Schwierigkeiten bei Umstellungen (Umzug, Kindergarten-/Klassen-/Schulwechsel etc.).

    3. Dein Kind lernt seine eigenen Fähigkeiten nicht kennen

    Durch die fehlende Selbsterfahrung lernt es seine eigenen Ressourcen nicht kennen, um solche Probleme selbst zu bewältigen. Es weiss dadurch nicht, ob es sich auch selbst helfen könnte geschweige denn wie.

    4. Dein Kind hat es u.U. durch dein Eingreifen schwerer, in einer Gruppe Gleichaltriger ernst genommen zu werden

    Das Ergebnis hat psychisch dann wieder den Effekt, dass dein Kind sich unsicher fühlt (siehe Punkt 2). Das verstärkt sein Gefühl der Hilflosigkeit und Abhängigkeit. Dadurch verhält es sich möglicherweise weniger mutig und lösungsorientiert.

    5. Du überträgst möglicherweise deine eigenen ängstlichen Muster auf dein Kind

    Machst du dir Sorgen, dass dein Kind von Gleichaltrigen nicht angenommen, von Lehrern unfair behandelt oder gemobbt wird? Hast du vielleicht sogar Angst davor? Finde eine Lösung, alleine mit deinen Ängsten und Sorgen umzugehen. Das ist deine Verantwortung! Nicht diese, (unbewusst) an deine Kinder zu übertragen!

    Es kann mit der Zeit dadurch zu einer sogenannten – wie von Martin Seligman beschriebenen – erlernten Hilflosigkeit kommen (mehr darüber kannst du auf Wikipedia lesen), die wiederum in der Symptomatik einer Depression ähnelt.

    Vielleicht sind daher auch überfürsorgliche Eltern eine mögliche Ursache für die zunehmenden depressiven Verstimmungen bei Kindern und Jugendlichen…

    „Die Eltern rennen vorweg, um jede Unebenheit zu beseitigen, damit bloß nichts wehtut, wie auf der Eisbahn. …Wir ­haben die letzten achtzehn Jahre mit Kindern so gelebt, dass der Anteil der 14- bis 19-Jährigen, die große Schwierigkeiten mit Depressionen, zerstörerischem Verhalten bis hin zum Selbstmord haben, um 380 Prozent gewachsen ist. Die Eltern haben alles für sie gemacht, aber davon wird man nicht lebensfähig. Man braucht Schmerz, man braucht Frustration.“

    Jesper Juul

    Wie könntest du dein Kind bestärken?

    Nun ist sie aber da, die Situation, in der du dein Kind am liebsten beschützen möchtest. Dein Herz schmerzt und du möchtest nichts lieber, als ihm sein Leid zu ersparen… Nur bist du ja jetzt schlauer und weisst, wozu das Durchleben und Meistern von solchen Herausforderungen wichtig sein kann. Vielleicht helfen dir die folgenden Möglichkeiten dabei, dein Kind zu bestärken, sich selbst seinen Herausforderungen zu stellen.

    ❤️Distanziere dich von der Situation
    Wenn es dir emotional zu nahe geht, versuche dir vorzustellen, dass es nicht um dein Kind geht, sondern das einer Freundin. Dadurch bringst du emotionale Distanz rein und hast mehr Zugriff auf deine rationalen Ressourcen. Du kannst so besser emotional bei dir bleiben und ganz für dein Kind da sein.

    ❤️Hilf deinem Kind durch das Stellen ressourcenstärkender Fragen
    Unterstütze es bei der Reflektion seiner eigenen Emotionen, indem du ihm beispielsweise folgende Fragen stellst: 

    • Wie fühlst du dich jetzt? 
    • Was macht das mit dir?
    • Wie hättest du am liebsten reagiert? 
    • Wie hat sich die andere Person verhalten? 
    • Was hat ihr Verhalten bei dir ausgelöst? 

    Es lohnt sich auch unbedingt weiter zu fragen: warum macht dich das wütend / ärgerlich, was genau macht dich …. Bis du irgendwann am Kern (häufig tränenreich, dann auch erleichternd, weil sich etwas gelöst hat) angekommen bist.

    ❤️Wie du deinem Kind noch helfen kannst
    Wenn ihr den (emotionalen und am stärksten verwundeten) Kern gefunden habt und die Emotionen etwas verarbeitet wurden, dann kannst du dein Kind fragen, was es sich von dir wünscht und ob du es unterstützen kannst. Wichtig ist allerdings, dass du liebevoll, aber bestimmt ablehnst, die Lösung des Problems komplett selbst zu übernehmen (wie beispielsweise Absagen von Terminen, Fernbleiben vom Unterricht, etc.). Spreche lieber mit deinem Kind so oft wie gewünscht über sein Thema und unterstütze es so bei der Verarbeitung (denke daran, seine Gefühle zu spiegeln)!

    ❤️Bestärke dein Kind
    Bestärke dein Kind darin, dass es (auch gemeinsam mit dir) eine geeignete Lösung finden wird, in der es selbst aktiv und in der Handlungsrolle bleibt!

    ❤️Achte während des gesamten Prozesses darauf, dass deine Sorgen/Ängste bei dir bleiben und du diese nicht auf dein Kind überträgst
    Das ist vermutlich eine der grössten Herausforderungen. Sie setzt voraus, dass auch du sehr gute Fähigkeiten darin hast, dich selbst zu reflektieren. Du erkennst dann, dass deine Sorgen und Ängste eben deine sind. Behalte sie bei dir. Nimm sie an und lass sie wenn möglich los. Sage dir innerlich:

    Das hat nichts mit meinem Kind zu tun. Ihr (Gedanken/Ängste/Sorgen) seid aufgrund meiner eigenen Erfahrungen da. Ich möchte euch nicht weitergeben und lasse euch los.

    Welche Herausforderungen dieses Vorgehen für dich birgt

    Möglicherweise fällt dir dieses Vorgehen nicht ganz leicht. Vielleicht kennst du es nicht anders, bist selbst auch so gross geworden… Zudem ist so ein Verhalten auch gestützt durch eine Generation an Helikopter Eltern mit denen du dich mindestens unbewusst vergleichst (warum Vergleichen generell keine gute Idee ist, habe ich hier schon geschrieben). 

    Vergiss das alles. Vergiss, was die anderen machen und wie sie es machen. Vergiss, was dir die Medien und auch viele Ärzte oder auch Versicherungen (ihr Geschäftsmodell basiert übrigens darauf, Ängste und Sorgen zu schüren…) suggerieren. Achte auf dein Kind und auf deine Intuition. Stelle dir immer die Fragen: 

    ❣️Was braucht mein Kind gerade? (kurzfristige Perspektive)

    ❣️Was hilft meinem Kind langfristig? (langfristige Perspektive)

    ❣️Wie kann ich es dabei unterstützen, ein Erwachsener mit einem starken Selbstvertrauen zu werden? 

    Die Antworten auf die unterschiedlichen Fragen werden sich vielleicht öfters widersprechen (kurzfristige Perspektive und langfristige Perspektive). Dann liegt es wieder an dir, zu gewichten, was in der jeweiligen Situation wichtiger ist. Und klar kann das auch mal bedeuten, dass du ihm mal etwas abnimmst, weil es gerade wirklich viele “Baustellen” offen hat. Nur sei dabei immer ehrlich mit dir: 

    Machst du es gerade ihm (und vielleicht auch dir) zu einfach

    Scheust DU einen Konflikt

    Vermeidest du es, Themen anzusprechen, um des Friedens willens?  

    Sei wirklich ehrlich mit dir und finde heraus, was dein Antrieb, deine Motivation ist. Warum möchtest du tun, was du tun möchtest? Du wirst schnell den Dreh raus haben, wann es sich um Ausreden handelt (hinterlassen ein merkwürdiges Bauchgefühl bei mir, als würde ich mich selbst anlügen – wie fühlt es sich bei dir an?) und wann es echte Notwendigkeiten sind. 

    (Falls du dabei noch Schwierigkeiten hast, dann lade ich dich gerne in meine geschlossene Gruppe ein: hier kannst du solche Themen gerne mit mir und der Gruppe diskutieren.)

    Was du gewinnst, wenn du es trotzdem wagst

    💖Vertrauen – in dich selbst und in dein Kind 

    💖Persönliche Stärke, weil du loslassen gelernt hast

    💖Weniger Sorgen und Ängste, weil du mehrfach erlebt hast, dass dein Kind es auch selbst schafft 

    💖Stolz auf dich und dein Kind

    💖Eine gestärkte, vertrauens- und liebevolle Beziehung zu deinem Kind (die wesentlich tragfähiger und fester ist, als eine abhängige Beziehung)

    Ich wünsche mir sehr, dass du durch meine Worte eine neue Perspektive einnehmen kannst. Es ist mir wirklich ein Herzensangelegenheit, dass du meine Botschaft verstehst. Nur dadurch kann ich vielleicht bewirken, dass du dir Herausforderungen deines Kindes nicht mehr so sehr zu Herzen nimmst, dass du mehr in dein Kind vertraust und los lässt. Dass du verstehst, dass Herausforderungen zum Leben dazu gehören und auch die Kindheit dafür schon als Lebensschule vorgesehen ist. 

    Ich kann mir vorstellen, dass es für die ein oder andere nicht ganz leicht ist, das umzusetzen. Bitte scheue dich nicht, dich bei mir zu melden, wenn du selbst nicht weiter kommst. Genau dafür bin ich da: dich auf deinem Weg zu unterstützen! ❤️

    Alles Liebe,

               deine Anna

    PS: Geteilte Mamaliebe ist doppelte Mamaliebe – Wenn du beim Lesen des Artikels etwas für dich mitnehmen konntest, freue ich mich sehr, wenn du ihn teilst. Ich 🙏🏼 dir von ❤️
    PPS: Wenn du auf der Suche nach Unterstützung bist und keine Gleichgesinnten in deinem persönlichen Umfeld kennst, dann freue ich mich sehr, dich in meiner geschlossenen Gruppe begrüssen zu dürfen. Dort sind schon viele Mamas, die ihre Kinder intuitiv-liebevoll begleiten möchten. Schau doch auch mal rein 🌸
    Anna Binic

    Anna Binic

    Ich bin leidenschaftliche Mama-Kind-Beziehungs-Versteherin und genau deswegen auch begeistert Mama Coach.

    Mit meinem Blog möchte ich dir als Mama dabei helfen, mehr über kindliche Entwicklung aus einer aktuellen psychologichen Perspektive zu erfahren und neue Lösungswege für deine Herausforderungen im Familienalltag zu erkennen. 

    Ich wünsche mir, dass jede Mama ihren Alltag intuitiver, empathischer und bewusster lebt und so ihren ganz eigenen Weg der intuitiv-liebevollen Begleitung mit ihren Kindern geht ❤️

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