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19 min Lesezeit

Kinder so annehmen wie sie sind

von | 1.07.19 | Mama-Wissen

7 Möglichkeiten, die dir dabei helfen

    In aller Kürze

    Ich schreibe in diesem Artikel darüber,

    • welche Folgen die Überanpassung unserer Kinder, die von vielen Seiten erwartet wird (nicht nur in den Familien auch in KiTas, Kindergärten und Schulen), haben kann,
    • welche Wünsche du für die Zukunft deines Kindes statt dessen haben könntest und
    • welche 7 Möglichkeiten, dir dabei helfen, dein Kind auf seinem Weg zu unterstützen.

    Seit meine Tochter fremdbetreut wird, höre ich immer mal wieder von anderen Personen, dass sie schüchtern sei. Nun ist das einerseits ja nichts schlimmes (sollte man zumindest meinen…) und andererseits mir auch wohl bekannt – ist sie doch schon seit ihrer Babyzeit eher ängstlich und vorsichtig gewesen (wie auch ich während der Schwangerschaft, die Geschichte kannst du hier nachlesen). 

    Mich stört die Tatsache nicht, dass sie zurückhaltend ist. Sie ist es auch nur in Situationen, die ihr nicht ganz “geheuer” sind. Wenn sie sich wohl fühlt und Vertrauen zu den Menschen und zur Situation hat, ist sie gesprächig, lustig, manchmal frech und ein ganz “normales” Mädchen. 

    Was hat das ganze mit mir zu tun?

    Das Wort ”schüchtern” und zu ruhig sein triggert mich einfach extrem. Und das hat natürlich besonders mit mir und meinen eigenen Erfahrungen zu tun. Ich war schliesslich selbst die meiste Zeit meiner Kindheit und Jugend “die Stille”, die zu wenig sagt und von der man zu selten etwas hört. Sei es bei den Lehrern oder auch in Jugendgruppen im privaten Umfeld, selbst der ein oder anderen Freundin war ich manchmal zu ruhig und zu “angepasst”. 

    Ich finde es bedenklich, dass Kinder dauernd durchschnittlich sein und einfach funktionieren sollen – zu 100% des Tages und in allen Situationen: zu laut ist nicht ok, zu ruhig aber auch nicht. Und ehrlich gesagt macht mich das auch richtig wütend!

    Ich frage mich, was das soll?

    Wohin soll das führen mit unserem Anspruch an (Über)Anpassung der Kinder? 

    Gleichzeitig steigen die Mobbingfälle und die psychischen Auffälligkeiten der Kinder. Für mich ist das alles kein Zufall…

    Wenn wir unseren Kindern von klein auf das Gefühl geben, nicht ok zu sein, wie sie sind (also zu ruhig, zu laut, zu aktiv, zu passiv, zu xy), dann rächt sich das irgendwann. Das Kind verliert den Bezug zu sich selbst. Manche trauen sich selbst gar nichts mehr zu und werden gemobbt und andere überkompensieren ihre Unsicherheit damit, dass sie andere ärgern, quälen, klein machen und mobben. 

    Solange…

    ⚡️… Kinder nicht in ihrer Einzigartigkeit anerkannt und RESPEKTIERT werden, von Eltern, Familienangehörigen, Pädagogen und anderen Menschen,

    ⚡️… Kinder sich verstellen oder sogar gehorchen müssen, um Aufmerksamkeit und Liebe zu erhalten,

    ⚡️… wir oder andere davon überzeugt sind, dass ein vor Wut oder Trauer weinendes, schreiendes und tobendes Kind nicht ok ist,

    ⚡️… wir unseren Kindern zu viele (unnötige) oder gar keine Grenzen setzen

    ⚡️… wir unseren Kindern gegenüber nicht authentisch sind und ihnen unsere eigene Grenzen kommunizieren,

    ⚡️… wir nicht die Augen öffnen für die wunderbaren Wesen, die alle Kinder sind,

    solange wird sich nichts ändern…. Es beginnt bei dir und bei jedem einzelnen Elternteil von uns.

    Du kannst etwas verändern!

    „Das wirkliche Problem besteht gar nicht darin, dass jemand ein zu geringes Selbstwertgefühl hat (…), sondern dass sein Selbstwertgefühl zu sehr an Bedingungen geknüpft ist („Ich hab nur dann das Gefühl, etwas wert zu sein, wenn…“).

    Alfie Kohn

    Wünschst du dir eine andere Zukunft für dein Kind?

    Möchtest du, dass es… 

    ❤️… voller Selbstvertrauen und Stärke gross wird?

    ❤️… Meinungen von anderen als Meinungen hinnimmt und nicht überbewertet (Thema Mobbing, Hänseleien, etc.)? 

    ❤️… voller Liebe, Respekt und Mitgefühl für sich und andere Menschen ist? 

    ❤️… seine Grenzen kennt, kommunizieren kann?

    ❤️… die Grenzen von anderen Menschen respektiert? 

    ❤️… versteht, dass niemand besser oder schlechter als der andere ist, dass wir alle Menschen sind und gemeinsam alles leichter geht? 

    Wie kannst du dein Kind dabei unterstützen?

    1. Sehe dein Kind in seiner Einzigartigkeit

    Niemand von uns ist perfekt und das ist gut so. Denn das macht uns menschlich. Wir sind keine Maschinen und unsere Kinder sollten es auch nicht sein (müssen) – und doch erwarten wir oft noch mehr von so einem kleinen Kind als von Erwachsenen, denen wir häufig viel eher Zugeständnisse machen (achte mal darauf…).

    Versuch mal dein Kind in einem positiven (oder zumindest neutralen und unbewerteten) Licht zu sehen:

    ❓Was mag es besonders und was gar nicht?
    ❓Was macht es gerne und was gar nicht?
    ❓Lacht es gern und viel oder ist es eher ruhiger und nachdenklich?

    Jede Eigenschaft hat immer mindestens zwei Seiten: Wenn dein Kind dir beispielsweise selten zuhört, dann heisst es umgekehrt, dass es sich super konzentrieren kann und sich nicht ablenken lässt! Wenn das mal nicht eine gute Voraussetzung für viele berufliche Tätigkeiten später ist….

    2. Höre auf zu vergleichen

    Vergleichen ist Gift. Schon wenn wir uns mit anderen vergleichen. Aber die eigenen Kinder noch mit anderen Kindern zu vergleichen ist absolut nicht hilfreich und sogar unsinnig. Egal in welchem Alter kann es sehr grosse Entwicklungsunterschiede geben, die VÖLLIG NORMAL SIND.

    Spätestens, wenn das Kind in die Schule geht, fängt der Wettbewerb und damit auch der Vergleich an. Es geht meistens nur noch ums (notenmässig) besser sein und werden und selten um die wirklich wichtigen Werte wie:

    ✨ Hilfsbereitschaft

    ✨ Vertrauen,
    ✨ Authentizität,
    ✨ Respekt (der von den Kindern so häufig verlangte Respekt ist kein aufrichtiger, da er immer nur in die eine Richtung funktionieren soll: vom Kind zum Erwachsenen, andersrum wird er meist übergangen, siehe hierzu auch Punkt 5),
    ✨ Liebe etc.
    3. Hör(t) auf zu funktionieren

    Kinder sollen funktionieren. Von klein auf. Sogar meist schon als Babys (“Und schläft er/sie schon durch?”).

    Warum ist das so wichtig?

    Ich weiss, dass viele von uns Erwachsenen unter dem gleichen Dilemma leiden: die Mamas, die versuchen es allen Recht zu machen (den Kindern, dem Mann, dem Arbeitgeber und dem Haushalt… für sich selbst bleibt meist weder Zeit noch Energie übrig, dabei wäre das am wichtigsten). 

    Aber warum würden wir überhaupt irgendjemandem diese gleiche Tortur wünschen? Warum ausgerechnet unseren Kindern? 

    Fang an, dir den Alltag so leicht und einfach wie möglich zu gestalten. Wenn du arbeitest, gib so viel Haushaltstätigkeiten ausser Haus, wie es möglich ist. Wenn du mit den Kindern bist, macht so viel kindgerechte Aktivitäten, wie nur irgendwie möglich sind. Sei du selbst wieder wie ein Kind: spielt, lacht, singt, tanzt, geniesst gemeinsam und hört einander zu! So kann auch ein anstrengender KiTa-, Kindergarten- oder Schultag gut verarbeitet werden – und gut für die Beziehung und Bindung ist es allemal.

    4. Akzeptiere, dass dein Kind anders ist als du (oder aber auch dir sehr ähnlich)

    Vielleicht stört es dich am meisten, dass dein Kind nicht so ist wie du. Vielleicht tust du dir schwer damit, es zu verstehen, weil ihr so ganz anders seid. Und selbst wenn ihr euch in vielen Punkten ähnlich seid, gibt es einige Dinge, die bei dir so ganz anders sind.

    Mach dir keinen Kopf und mach dir keine Sorgen. Es ist genau gut so! Wir Menschen sind alle unterschiedlich. Es gibt immer eine Möglichkeit, einen Zugang zu deinem Kind zu finden. Ich gebe zu, dass es am einfachsten ist, wenn die Kinder noch ganz klein sind. Dann sind wir sowieso ihre Idole und absoluten Vorbilder. In diesem Alter ist es noch sehr leicht eine starke und tragfähige Bindung aufzubauen, die euch dann durch die Pubertät tragen wird. Aber auch, wenn die Beziehung zu deinem Kind angeknackst und es schon älter ist, es gibt immer einen Weg (schreib mich gerne an, wenn du dir Hilfe dabei wünschst).

    5. Respektiere dein Kind

    Wie bereits unter Punkt 2 kurz angesprochen, ist Respekt so wichtig. Und ich glaube ganz viele Mamas (und auch andere Bezugspersonen) wissen gar nicht, wo das Thema überhaupt anfängt: 

    Bereits dein Baby und Kleinkind kannst du respektvoll behandeln, wenn es sich beispielsweise nicht von dir waschen lassen möchte oder nichts mehr essen möchte, indem du es zu nichts zwingst (ohja, ich weiss das ist je nach Situation eine echte Herausforderung!!)! Und wenn du es doch tust, sei dir darüber bewusst, dass du gerade seine Grenzen überschritten hast. Das ist etwas, wofür du dich am besten direkt entschuldigst (siehe auch nächsten Punkt: sei ein Vorbild). 

    Bei älteren Kindern: höre dir ihre Standpunkte an. Wenn nicht sofort Zeit ist (seien wir mal ehrlich, meistens liesse es sich doch irgendwie einrichten die eigene Tätigkeit zu pausieren und ein paar Sekunden zuzuhören 😉), dann hole es nach! Gib ihnen immer das Gefühl, gehört zu werden. Eine Stimme zu haben. Bleibe in dem Gespräch authentisch und wahre auch deine Grenzen. Du musst nicht allem zustimmen, was sich dein Kind wünscht, du kannst deine Meinung aber sehr wohl respektvoll vertreten und gleichzeitig den Standpunkt deines Kindes verstehen.

    6. Sei ein Vorbild

    So wie du zuhause über andere Menschen (Familienmitglieder, Arbeitskollegen, Nachbarn, Lehrer, Erzieher etc.) sprichst, spricht dein Kind irgendwann auch über andere Menschen (wenn du auch noch die Fehler und Schwächen deines Kindes betonst, dann spricht es irgendwann sogar selbst über sich genauso schlecht). Sei achtsam mit den Worten, die du wählst, bleibe fair, respektvoll und tolerant. 

    Hast du in einer Situation die Grenze deines Kindes oder eines anderen Menschen überschritten? Dann sei auch hier ein Vorbild und entschuldige dich dafür bei deinem Kind bzw. dem anderen Menschen. So lernt auch dein Kind, dass es wichtig ist, sich für Grenzüberschreitungen bei anderen zu entschuldigen.  

    Andere Menschen sind nie für deinen Ärger oder deine Traurigkeit etc. verantwortlich. Ihr Verhalten hat das deine wunden Punkte nur aufgedeckt. Sei ehrlich zu dir und finde heraus, was die wahren Gründe sind. Bleibe auch in deiner Kommunikation über andere Menschen respektvoll und wertschätzend.

    7. Sei liebevoll mit dir

    Falls du jetzt das Gefühl bekommen hast “oje ich mache so viel falsch, wie kann ich das wieder gut machen…” möchte ich dich gerne beruhigen: Kinder sind sehr resilient (widerstandsfähig). Sie gehen nicht “kaputt” nur weil wir Erwachsenen so viel falsch machen und Mist bauen (ja auch ich – ich bin nicht perfekt, nur Coach 😉)!

    Und deswegen möchte ich dir sehr ans Herz legen, liebevoll mit dir selbst zu sein.

    Nimm dir einerseits ruhig grosse Ziele vor und beginne mit der Veränderung am besten heute.

    Lass dir auf deinem Weg andererseits auch die Zeit, die du brauchst.

    Und sei liebevoll mit dir, wenn es an manchen Tagen noch nicht ganz so gut klappt, wie an anderen.

    Auch damit bist du ein wunderbares Vorbild für deine Kinder: für Selbstliebe ❤️

    Alles Liebe,

               deine Anna

    PS: Geteilte Mamaliebe ist doppelte Mamaliebe – Wenn du beim Lesen des Artikels etwas für dich mitnehmen konntest, freue ich mich sehr, wenn du ihn teilst. Ich 🙏🏼 dir von ❤️
    PPS: Wenn du auf der Suche nach Unterstützung bist und keine Gleichgesinnten in deinem persönlichen Umfeld kennst, dann freue ich mich sehr, dich in meiner geschlossenen Gruppe begrüssen zu dürfen. Dort sind schon viele Mamas, die ihre Kinder intuitiv-liebevoll begleiten möchten. Schau doch auch mal rein 🌸
    Anna Binic

    Anna Binic

    Ich bin leidenschaftliche Mama-Kind-Beziehungs-Versteherin und genau deswegen auch begeistert Mama Coach.

    Mit meinem Blog möchte ich dir als Mama dabei helfen, mehr über kindliche Entwicklung aus einer aktuellen psychologichen Perspektive zu erfahren und neue Lösungswege für deine Herausforderungen im Familienalltag zu erkennen. 

    Ich wünsche mir, dass jede Mama ihren Alltag intuitiver, empathischer und bewusster lebt und so ihren ganz eigenen Weg der intuitiv-liebevollen Begleitung mit ihren Kindern geht ❤️

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    1. Warum es wichtiger ist, dein Kind zu bestärken anstatt es nur zu beschützen - Anna Binic | begeistert Mama Coaching - […] ist es wichtig, dass du als Vorbild für dein Kind fungierst (wie ich bereits hier geschrieben habe), aber das kannst du…

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