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Endlich richtig Grenzen setzen

von | 2.06.19 | Mama-Wissen

… und wie du dadurch weniger Kampf und mehr Gelassenheit mit deinen Kindern erleben kannst

    In aller Kürze

    Du kannst in diesem Artikel lesen:

    – wozu die Autonomiephase wichtig ist und warum es sie gibt,
    – wie du deinem Kind die richtigen Grenzen setzen kannst, 
    – wie du dein Kind durch einen emotionalen Sturm begleiten kannst,
    – was sich dadurch für dein Kind und seine weitere Entwicklung verändern kann,
    – wie du es dadurch für seine Zukunft stärkst und
    – wie das alles euren Familienalltag gelassener und entspannter macht. 

    Welche Mama kennt sie nicht, die Kinder in der Autonomiephase (umgangssprachlich, aber nicht gerade wertschätzend und respektvoll auch gerne Trotzphase genannt)?! Sie schimpfen, sie schreien, sie weinen… Der ganze Tag scheint nur aus Drama zu bestehen. Manchmal fühle ich mich an solchen Tagen als würde ich auf rohen Eiern balancieren, jedes Wort und jeder Handgriff muss wohlüberlegt sein – und ist manchmal trotzdem falsch. Und dann wird es laut und dramatisch und schlimm und ich kann nur abwarten, aushalten, unterstützen…

    Warum ist das so?

    Die Bestrebung unserer Kinder vom Baby zum Teenager ist es, nach und nach selbständiger zu werden und auf eigenen Beinen zu stehen. Bereits bevor ein Baby mobil wird (krabbeln, robben, etc.) tut es seine Meinung kund (und es ist eben auch nur seine Meinung und kein Grund für dich, es persönlich zu nehmen). Es schreit, es schlägt Essen weg oder macht uns auf andere Weise verständlich, wenn es etwas gar nicht oder unbedingt möchte.

    Das zieht sich durch die Entwicklung und ist phasenweise besonders heftig. Das liegt daran, dass die kindliche Entwicklung nicht permanent und fliessend verläuft, sondern in Phasen abläuft und währenddessen das gesamte Innenleben des Kindes aufwühltDas wohl bekannteste Buch hierzu ist “Oje ich wachse”, indem die ersten 10 Phasen sehr gut beschrieben werden – leider hört es nach 20 Monaten auf. Vielleicht verlaufen die Entwicklungsschritte anschliessend nicht mehr so sehr parallel bei den Kindern, aber folgen werden noch viele… Es gibt eine Möglichkeit, wie du deinem Kind während dieser Zeit Halt geben kannst: richtige Grenzen setzen

    Wie genau solltest du in solchen Phasen NICHT reagieren?

    Es ist absolut unsinnig, wenn du in einer solchen Situation unbedingt auf deinem Standpunkt beharrst und dafür in den Kampf/den Konflikt gehst (also stur auf irgendwelchen Regeln beharrst und somit falsche Grenzen setzt). Sei es ein üblicher Ablauf, das bisherige Lieblingsessen oder dass es sich doch „bitte beruhigen solle“ (auch mir kommen diese Worte häufiger über die Lippen, als es mir lieb ist 😉).
    Dein Kind erlebt gerade eine seelisch-emotionale Krise und ist für deine Worte einfach nicht erreichbar. Das ist in etwa vergleichbar mit einer Situation, die du bereits erlebt hast, die dir völlig den Boden unter den Füssen weggezogen hat, in der du für Aussenstehende überhaupt nicht erreichbar warst und völlig in deinen Emotionen gefangen warst statt rational mit dem Kopf reagieren zu können… So geht es deinem Kind auch, wenn es so dramatisch reagiert.

    Doch Strafen helfen dem Kind nicht. Sie sind sogar schädlich für die Entwicklung. Das ‚Trotzverhalten‘ kann sich verstärken, und die Machtkämpfe nehmen zu.“

    Katharina Saalfrank

    Wie könntest du diese Zeit – besonders für dein Kind und auch für dich – etwas angenehmer gestalten?

    1. Biete deinem Kind 2 Alternativen an – immer

    Setze ihm Grenzen, aber die Richtigen: Egal in welcher Situation sorge dafür, dass dein Kind die Wahl hat und zwar zwischen GENAU zwei Alternativen. Wichtig ist, dass es sich um zwei Alternativen handelt, die auch für dich OK sind und die du liebevoll mittragen kannst.
    Beim Essen kannst du beispielsweise fragen:

    Möchtest du…
    ❓… den blauen oder den roten Teller?
    … deine Nudeln mit der Gabel oder dem Löffel essen?
    ❓… das Gemüse lieber gleich am Anfang probieren oder ganz am Schluss?

    Ebenfalls geht das natürlich bei der Kleider- und Schuhwahl:

    ❓Möchtest du lieber die Jeans oder die Leggings anziehen?
    ❓Welche Schuhe sind dir heute lieber, die grauen oder die blauen?
    ❓Möchtest du lieber zuerst Zähne putzen oder dich anziehen?

    Auch beim Haus verlassen oder unterwegs, kannst du zwei Alternativen finden, die für dich passend sind:

    Möchtest du…
    … die Tür aufmachen oder soll ich das machen?
    … deine Schuhe alleine anziehen oder soll ich dir helfen?
    … alleine bis xy laufen oder möchtest du ein Stück getragen werden? (-> Achtung, nur anbieten, wenn für dich das Tragen ok ist. Wenn du es aus irgendwelchen Gründen nicht möchtest, dann ist das ok. Biete eine andere für dich passende Alternative an.) 

    Dein Kind merkt so, dass es selbst Entscheidungen treffen darf, dass es gehört wird und eine Stimme in der Familie hat.

    Zu Beginn kann es eine Umstellung sein. Ich mache das inzwischen so automatisch, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenken muss. (sobald mein Sohn das “oder” in einer Frage hört, wird er ruhiger und antwortet, wie durch Zauberei 😉 – vorausgesetzt ich biete genau 2 Alternativen und für ihn in der jeweiligen Situation auch akzeptable Varianten an)

    Viele Situationen, die früher zu einem Drama wurden, kannst du so schon völlig entschärfen. Dein Kind fühlt sich ja dadurch schon gesehen und gehört und hat damit häufig schon genau sein Bedürfnis nach Individualität bzw. Autonomie befriedigt. Falls das alleine nicht hilft und dein Kind sehr wütend oder traurig wird, dann gehe zu Punkt 2 weiter (oder überdenke, ob deine 2 angebotenen Alternativen auch wirklich angemessen und akzeptabel in den Augen deines Kindes sind). 

    2. Bleibe empathisch und verständnisvoll – Gefühle spiegeln

    Atme tief durch! Es hat nichts mit dir zu tun! 

    Je nach Ausmass des persönlichen Dramas deines Kindes fällt es dir vielleicht mehr oder auch manchmal weniger leicht empathisch und mitfühlend zu bleiben. Vielleicht findest du seine Reaktion übertrieben oder sie überfordert dich schlicht weg (schaffst du es dich wirklich in dein Kind hineinzuversetzen? Spürst und verstehst du, warum es sich so verhält, wie es sich verhält? -> Falls nicht, dann lass uns in einem Mama-Bedürfnisgespräch darüber sprechen)

    Wenn das so ist, dann ist es auch ok, dies deinem Kind mitzuteilen. Du könntest dann beispielsweise so etwas sagen wie:

    Ich sehe, dass du völlig ausser dir bist und sehr wütend (Spiegelung der kindlichen Gefühle). Ich gebe mir viel Mühe und doch kann ich es nicht ganz nachvollziehen (dich authentisch zeigen). Gibt es etwas, was ich jetzt für dich tun kann?

    3. Halte aus und begleite dein Kind

    Wenn die Alternativen und dein Verständnis nicht sofort ausreichen, damit dein Kind sich beruhigt, halte aus und begleite dein Kind möglichst liebevoll. Warte ab bis der emotionale Sturm deines Kindes vorüber ist. Auch wenn es dir wie eine Ewigkeit vorkommt, Emotionen dauern in der Regel max. 90 Sek – vorausgesetzt sie werden weder von aussen noch von innen befeuert.

    Wenn du beim sprechen also merkst, dass dein Kind immer dramatischer reagiert, dann wäre es vermutlich ratsamer mal eine Zeit zu schweigen und ruhig bei ihm zu bleiben. Höre hier am besten auf deine Intuition und handle nach deinem Bauchgefühl. 

    4. Feiere dich für alles, was du gut gemacht hast

    Ich weiss es mag dir selbstverständlich erscheinen, als Mama solche Alltagssituationen zu meistern und vermutlich ist es auch die allgemeine Erwartung. Mach es nur einfach nicht zu deiner und sei liebevoll mit dir: Achte auf all die kleinen Dinge, die dir heute richtig gut gelungen sind. Notiere dir diese Punkte – jeden einzelnen!!!

    Viele Menschen neigen dazu, jeden Abend sich nur an alles negative zu erinnern und Sorgen und Probleme zu wälzen. Mach du es besser. Trainiere dein Gehirn darauf, den positiven Dingen mehr Beachtung zu schenken. Du kannst es dabei unterstützen, indem du beginnst jeden Abend deine persönlichen Highlights oder Erfolge des Tages aufzuschreiben. Irgendwann achtet es ganz automatisch vermehrt auf das positive ❤️.

    Was lernt dein Kind daraus, wenn du es wie oben beschrieben begleitest?

    Es erlebt sich als selbstwirksam (durch die Wahlmöglichkeiten), was eine gute Basis für ein gesundes Selbstwertgefühl ist. Zudem strahlst du deinem Kind so eine Sicherheit aus, es kann sich auf dich verlassen: Du bist wie der empathische und liebevolle Stein in der Brandung für dein Kind. Auch wenn es gerade drunter und drüber geht in ihm selbst, spürt es eine Zuversicht, dass dieser Moment vorbei gehen wird. Es hat Vertrauen in dich und darin, dass es wieder angenehmere emotionale Zustände geben wird. Und damit hast du schon eine der wichtigsten Aufgaben als Mama für dein Kind erfüllt 💞.

    Alles Liebe,

               deine Anna

    PS: Geteilte Mamaliebe ist doppelte Mamaliebe – Wenn du beim Lesen des Artikels etwas für dich mitnehmen konntest, freue ich mich sehr, wenn du ihn teilst. Ich 🙏🏼 dir von ❤️
    PPS: Wenn du auf der Suche nach Unterstützung bist und keine Gleichgesinnten in deinem persönlichen Umfeld kennst, dann freue ich mich sehr, dich in meiner geschlossenen Gruppe begrüssen zu dürfen. Dort sind schon viele Mamas, die ihre Kinder intuitiv-liebevoll begleiten möchten. Schau doch auch mal rein 🌸
    Anna Binic

    Anna Binic

    Ich bin leidenschaftliche Mama-Kind-Beziehungs-Versteherin und genau deswegen auch begeistert Mama Coach.

    Mit meinem Blog möchte ich dir als Mama dabei helfen, mehr über kindliche Entwicklung aus einer aktuellen psychologichen Perspektive zu erfahren und neue Lösungswege für deine Herausforderungen im Familienalltag zu erkennen. 

    Ich wünsche mir, dass jede Mama ihren Alltag intuitiver, empathischer und bewusster lebt und so ihren ganz eigenen Weg der intuitiv-liebevollen Begleitung mit ihren Kindern geht ❤️

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